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Genetische Forschungsstudien bei Hunden in Finnland


In Finnland haben umfangreiche genetische Forschungsstduien in versch. Hunderassen und in Bezug auf die versch. Erbkrankheiten begonnen. Der Studienleiter Dr. Hannes Lohi wendete sich im Herbst 2006 mit diesem Anliegen an die Öffentlichkeit.

Den Seitenbetreibern ist es wichtig, dass der Hintergrund dieser Forschungsstudien, zu denen EPIDAL gehört, verstanden wird, und haben deshalb eine deutsche Übersetzung angefertigt:


"Die rasend schnelle Entwicklung der biomedizinischen Forschung der letzen Jahre hat die Erforschung von genetischen Erbkrankheiten revolutioniert. Es wurden bereits tausende von Genen entschlüsselt, welche verschiedene Erbkrankheiten verursachen, wodurch eine bessere Früherkennung, Vorsorge und Entwicklung von Behandlungsmethoden ermöglicht wird.

Seit das Erbmaterial des Hundes decodiert wurde, steht uns eine zusätzliche Quelle zur Verfügung um noch mehr Gene zu entschlüsseln. Der Hund ist ein Traum für Genetiker, da jede Hunderasse eine Gruppe von ähnlichen Individuen repräsentiert, welche auf nur wenige gemeinsame Vorfahren zurückgeht. Die Tatsache, dass hunderte von Hunderassen für sich eine isolierte Population darstellt, ermöglicht uns auch die Analyse von komplizierten genetischen Problemen. Die meisten Rassen sind durch den Menschen künstlich geschaffen worden, und durch selektierte Auswahl unterscheiden sie sich in Größe, Kopfform, Fellbeschaffenheit, Ohrenform, Verhalten und Krankheiten. Da jedes Merkmal des Rassestandards zwingenderweise von gleichen genetischen Bedingungen resultiert, treten diese Gene wesentlich deutlicher hervor als in einer Population nicht verwandter oder genetisch unterschiedlichen Hunden.

Die große Anzahl dokumentierter Erbkrankheiten in Rassehunden erklärt sich durch die Innzucht des Hundes zur Entstehung der einzelnen reinen Rassen, wodurch rezessive Allee hervortreten. Auf Grund aggressiver Zuchtprogramme der letzen 400 Jahre hat der Mensch es geschafft über 400 verschiedene Hunderassen zu erschaffen, und sie mit über 400 Erbkrankheiten zu belasten. Dieses befördert Rassehunde direkt nach dem Menschen an die zweite Stelle der Lebewesen, welche am häufigsten an Erbkrankheiten leiden. Die genetische Analyse des besten Freundes des Menschen wird helfen, verantwortliche Gene für physikalische Bedingungen und Verhaltensmuster zu finden, innerhalb einer jeden Rasse und auch generell entsprechend für jede Krankheit wie Krebs, Epilepsie, Allergien, Taubheit, Blindheit, Herzerkrankungen, und Knochenerkrankungen.

Mehr als 60% der genetisch bedingten Krankheiten bei Hunden sind identisch mit denen des Menschen und die Codierungsabfolgen im Erbgut des Menschen sind denen des Hundes ähnlicher als denen von Mäusen. Deshalb können Hunde als Modelle dienen, die Erbkrankheiten der Menschen besser zu verstehen und effektivere und nebenwirkungsfreiere Therapien zu entwickeln. Entscheidend ist dabei, dass die Erforschung von Erbkrankheiten in Hunden die Möglichkeit eröffnet, komplexe Erbgänge auf zu schlüsseln, was sich beim Menschen als schwierig erweist.

Ich habe an der Universität Helsinki, Finnland, eine genetische Forschungsstudie in Rassehunden ins Leben gerufen. Unser Ziel ist es, verschiedene Hunderassen mit ihren Erbkrankheiten zu erfassen, und die verantwortlichen Gendefekte für diese Krankheiten zu identifizieren. Genidentifizierungen werden uns DNA-Marker zur Verfügung stellen, um somit zuverlässig kranke Hunde, gesunde Hunde und Träger eines Gendefektes zu identifizieren. Dieses wird den jeweiligen Rasseklubs helfen, Zuchtprogramme neu zu gestalten, um gezielt Krankheiten innerhalb einer Rasse zu verhindern oder gar zu eliminieren. Dies ist extrem wichtig, da es uns ermöglicht, Träger in der Zucht zu halten und kontrollierte Zucht zu betreiben, wenn es um Erbkrankheiten geht, ohne den Genpool noch weiter einzuschränken.

Wir haben einige Forschungsprojekte in verschiedenen Rassen gestartet. Wir haben von verschiedenen Rassen Blut und Ahnentafeln gesammelt in Bezug auf verschiedene Erbkrankheiten wie Epilepsie, Autoimmunerkrankungen, Krebs, Sehstörungen und anderen neurologischen Erkrankungen. Für den Erfolg dieses Projektes ist es unerlässlich, dass Hundebesitzer und Hundezüchter offen und aktiv mitarbeiten, damit genügend DNA-Proben und klinische Daten vorhanden sind, um eine Genidentifizierung durchzuführen.

Um diese Studien durchzuführen, brauchen wir Blut von erkrankten Hunden (Positivkontrolle), ihren Wurfgeschwistern und Eltern, sowie von alten und nicht erkrankten engen Verwandten. Je mehr Proben wir erhalten, desto schneller kommen wir zu Ergebnissen. Namen der Hunde, Zuchtstätten, Besitzer werden vertraulich behandelt und nicht an die Öffentlichkeit gelangen.

Erst kürzlich haben wir gezeigt, wie wirkungsvoll diese Form der Erforschung von Erbkrankheiten ist. In einer Gruppe von Zwerg-Rauhaardackeln aus Großbritannien haben wir ein Gen identifiziert, welches in seiner mutanten Form Epilepsie auslöst. 5 % aller Zwerg-Rauhaardackel leiden an Epilepsie. Die identische Mutation im gleichen Gen löst beim Menschen ebenfalls eine Form von Epilepsie aus. Der Originaltext wurde im Science-Magazin Januar 2005 veröffentlicht (hier). . (Anmerkung des Übersetzers: Eine Zusammenfassung in deutscher Sprache: hier)

1% der Menschheit ist von Epilepsie betroffen. Die meisten Formen der humanen Epilepsie sind polygene Störungen. Epilepsie tritt 5 - 10 mal häufiger bei Hunden auf als bei Menschen. Nur einige Epilepsiegene des Menschen sind identifiziert worden, einige Dutzend zur vollständigen Klärung der Krankheit werden noch benötigt. Der hohe Anteil an Epilepsie in den verschiedensten Hunderassen bietet eine hervorragende Möglichkeit, mehr Gene zu identifizieren. Ein identifizierter Genlokus kann direkt im Menschen getestet werden. Diese Art der Forschung ermöglicht sowohl der Humanmedizin als auch der Hundezucht einen Fortschritt in der Gesunderhaltung in Bezug auf Epilepsie und andere gemeinsame Erbkrankheiten.

Wir wünschen uns eine offene und fruchtbare Zusammenarbeit mit Hundebesitzern, Hundezüchtern und Hundeliebhabern und wissen jeden Beitrag zum Erfolg dieser Studie zu schätzen. Zusammen können wir jetzt erreichen, dass sich die Gesundheit unserer Rassehunde verbessert und wir auch in Zukunft gesunde und glückliche Hunde haben werden."

Hannes Lohi, Helsinki im Herbst 2006


Englischer Originaltext: hier, verantwortlich: Dr. Hannes Lohi

Hannes Lohi

Dr. Hannes Lohi
Dozent & Academic Research Fellow
Biozentrum Helsinki
Universität Helsinki
Leiter des Canine-Epilepsie-Consortiums in Europa
Email: hannes.lohi (at) helsinki.fi

Email: epidal@dalmatiner.org